31. Dezember 2013

Nummer 2014 ist schon parat

Ein wunderbares Reisejahr geht zu Ende, und das nagelneue steht schon parat. Also der richtige Moment für einen Ausblick auf das 2014. Denn ich bin schon wieder eifrig am Reiseplanen. Vieles ist ja noch unklar, aber: Im März fahren wir mit der Bahn nach Rom und wollen hinter die Mauern des Vatikans blicken. Mitte Mai werden wir dann nach Weissrussland reisen und uns das wenig bekannte Land anschauen.

Und irgendwann wollen wir noch mit dem Möbelwagen eine 3-Wochen-Tour machen; vielleicht auf den Balkan oder nach Italien, odr so. Zudem habe ich noch einige Reiseleiter-Anfragen bekommen, weiss aber noch nicht, ob daraus etwas wird?
Zudem möchte ich nach Zypern, denn da war ich noch nie. In Zypern interessieren mich ganz besonders die Geschichte und die geteilte Hauptstadt. Dazu suche ich aber noch einen Reisebegleiter. Mal schauen…

30. Dezember 2013

die Sache mit der Rauchentwicklung in der Fahrertür

Neulich rief mich meine Autowerkstätte an. Bei meinem Auto hätten die Toyota-Monteure einen Fehler gemacht; und nun wölle man diesen beheben. Das sei keine grosse Sache, es dauere bloss zehn Minuten. Was denn das genau für einen Fehler sei, wollte ich wissen?
Der elektrische Scheibenheber sei fehlerhaft müsse überprüft werde. Bei manchen Autos komme es deswegen zu einer „Rauchentwicklung“ in der Fahrertür.
Ach so - damit kann ich leben. Und sollte mich der Qualm dann doch stören, kann ich ja immer noch in die Werkstatt fahren.

28. Dezember 2013

Ernst und Unfug

Gestern beim Doktor in einer abgegriffenen Zeitschrift geblättert. Und das da gelesen: «Je ernster die Lage, umso wichtiger der Unernst»
Hat der österreichische Sozialphilosoph und Dichter Günther Anders gesagt - kluger Kerl...

27. Dezember 2013

nutzlose Gebäude 5

Vor einem Jahr habe ich ja schon einmal von unseren „Allmend-Gädeli“ berichtet. Kleinen Nutzbauten auf Gemeindeland; heutzutage meist unbenutzt und manche vernachlässigt.

Nun hat der Weihnachts-Fönsturm wieder eines davon umgeworfen. Wenn das so weiter geht, sind bald auch die Letzten verschwunden.
Schau auch hier. Und hier, hier und hier.

26. Dezember 2013

Weihnachtsmarkt bei vollem Bewusstsein

Jetzt, wo alles schon vorbei ist, kann ich es ja erzählen. Ich war - und jetzt müssen alle Männer sehr tapfer sein – auf einem Weihnachtsmarkt. Und das völlig freiwillig und bei vollem Bewusstsein. Frau G. und ich schlenderten auf und ab, beschauten die feilgebotenen Kitschigkeiten und es roch nach feuchten Mänteln. Süssgebäck und Handgestricktes überall. Ich hielt Ausschau nach der Ochsenbraterei, aber es gab keine. Vermutlich hat mir da meine Erinnerung ein Streich gespielt.

Zwei rotbackige Mädchen wollten mir einen Weihnachtsstern aus glitzerndem Plastik andrehen. Sei für einen guten Zweck und so – erfolglos. Ich kaufte dann aber doch noch etwas: Eine Autobahnvignette fürs nächste Jahr. Sooo romantisch, odr.
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24. Dezember 2013

"Big Angy" ist nicht mehr

Am vergangenen Sonntag starb Angy Burri. Er nannte sich selber „Big Angy“ und war weitherum berühmt. Denn in seiner Indianerkluft und dem üppigen Federschmuck war er eine imposante Erscheinung. Und auch seine gehübschte Harley mit dem Pferdesattel war nicht gerade unauffällig.

Angy Burri war seit den 1960-er Jahren und von ganzem Herzen Musiker und „Berufsindianer“. Zwischen 1975 und 79 drehte er in Obwalden den ersten und wohl einzigen Schweizer Western; „The Wolfer“. Der Film war ebenso kitschig wie seine Musik, aber in den örtlichen Kinos ein grosser Erfolg. Viele der Szenen wurden im Schwendi-­Kaltbad und am Gerzenseeli gedreht, wo er und seine Familie jahrelang auch im Zelt wohnten. Wie die Imdianer.
Kaum jemand konnte seine Leidenschaft wirklich nachvollziehen, aber viele bewunderten ihn für sein Durchhalten und seine Gradlinigkeit. Ich auch.
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23. Dezember 2013

Herr J. und Frau M. erwarten die Niederkunft

Seit Tagen liege ich krank und untätig herum. Ich habe eine Nebenhöhlen-Knie-Entzündung - eine lange Geschichte. Wie es dazu kam, erzähle ich vielleicht später mal.

Jedenfalls liege ich im Bett und leide. Und deshalb kann ich auch nichts schreiben; darum habe ich etwas Saisonales gezeichnet: Der Schreiner Josef und sein Weib Maria aus Nazareth warten auf die Niederkunft. Es pressiert, denn bald ist Weihnachten.

22. Dezember 2013

die Gelbbauchunke ist untenrum anders

Heute in der Zeitung; die Gelbbauchunke wurde zum Lurch des Jahres 2014 auserkoren. Die Gelbbauchunke lässt sich vor allem anhand der Bauchfarbe von der mit ihr nahe verwandten Rotbauchunke unterscheiden. Obenherum sind beide nämlich gleichermassen warzig und schlammfarbig, wobei manchmal in der „Nackengegend ein schmaler dunklerer Drüsenkomplex und verwaschen helle Flecken“ sichtbar sein sollen. Ja dann.

Jedenfalls gut zu wissen, sollte jemand danach fragen.

21. Dezember 2013

der ist ein Stinker

Soeben wurde bekannt, dass der Wolfsmilchschwärmer zum Schmetterling des Jahres 2014 gewählt wurde. Eigentlich ist er bloss ein Nachtfalter, macht aber gerne einen auf Schmetterling. Wohl im Wissen darum, dass er für seine Fressfeinde ungeniessbar ist. Der elende Stinker.

Also, sollte man mal eine im Mund haben, eher nicht schlucken.

20. Dezember 2013

der gemeine Tiegelteuerling ist vorallem widerlich

Ihr habt es bestimmt auch gelesen: Der „Gemeine Tiegelteuerling“ wurde zum Pilz des Jahres 2014 gewählt. Ausgerechnet dieser Tiegelteuerling! Ein kleiner, dreckgelber Pilz „ohne Speisewert“. Die „Peridien weissfilzig bekleidet“ und oben mit einem „ockerfarbenen und filzig-flockigig strukturierten Epiphragma“ verschlossen.

Ja dann – herzliche Gratulation und viel Erfolg

19. Dezember 2013

Malta: brillenlose Tiefspüler im Untergrund

Was unterscheidet den Menschen vom Tier. Es ist nicht der fehlende Schwanz, sondern die Toilette. Während das Getier einfach unbekümmert ins Gebüsch scheisst, gebraucht der Mensch ein Klosett. Eine kulturelle Leistung von epochalem Ausmass. Und deshalb besuche ich ab und zu welche und berichte darüber; diesmal natürlich aus Malta.

Im Gestrüpp hinter dem Busbahnhof Valletta führt eine unscheinbare Treppe in die Tiefe hinab. Ein finsterer Schlund in den Untergrund. Unten dann eine elegante Halle, vom bleichen Neonlicht erhellt und eindrücklich odoriert.
Entlang der linken Seitenwand reihen sich, Gebetsnischen gleich, sieben Toilettenschüsseln. Allesamt Tiefspüler, brillenlos und mit Wasserspülkasten. Ein dunkler Rand lässt sie optisch über dem Boden schweben. Im Innern der Schüsseln wird das gleissende Weiss durch einen gelbgräulichen Dekor lieblich gemildert.
Trennwände strukturieren diese Monumentalanordnung. Die Individuen voreinander schützend, offen gegenüber der Gesellschaft. Schöner kann das Wesen menschlicher Zivilisation nicht versinnbildlicht werden. Den Besuch dieses wenig beachteten Kleinodes kann ich jedem nur empfehlen; kostenlos und täglich geöffnet.

18. Dezember 2013

Malta: das war's schon wieder

So – nun sind wir wieder retour in unserer eisigen Heimat. Deshalb hier noch ein kleiner Rückblick auf unsere Malta-Reise. Für Nachahmer und so.

+ Air-Malta ist wesentlich besser als ihr Ruf. Vielleicht lag es am halbvollen Flugzeug, aber ich bin selten so bequem geflogen, wie diesmal. Das Bord-Essen hingegen ist – öööhm – recht übersichtlich.
+ Malta eignet sich perfekt für eine Winterreise. Das Wetter ist mild und es sind kaum Touris da. Allerdings würde ich bloss in oder um Valletta wohnen wollen. An den Hotelstränden ist alles zu und geschlossen.
+ Die wunderbaren Oldtimer-Busse fahren leider nicht mehr. Die neuen Chinesen-Busse sind relativ neu und relativ bequem, aber sie versprühen den Charme eingeschlafener Füsse. Eine Tageskarte kostet 2.60 Euro, die für 1.50 nur für die Einheimischen bestimmt.
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17. Dezember 2013

Malta: der Weihnachtsmann brennt

Valletta. Noch bevor die Morgensonne auf ist, bin ich schon in Valletta unterwegs. Ich will nämlich noch gschwind die St. John's Cathedral anschauen. Ich eile hin. Es ist grad Frühmesse und so muss in nicht einmal Eintritt bezahlen. Und auch nicht mitbeten.

Von aussen ist die Kirche recht schlicht, aber innen glänzt und glitzert sie üppig goldig. Aber noch eindrücklicher finde ich den Fussboden. Komplett mit marmornen Grabplatten bedeckt, die Namen der Verstorbenen mit Halbedelsteinen eingelassen. Waren wohl damals keine armen Schlucker, die Malteser Ritter.

Nach so viel Kultur treibt mich der Hunger zurück ins Hotel. Peti ist auch schon auf. Wir futtern uns durchs Frühstücksbuffet. Wir langen kräftig zu. Da wir dafür sowieso nichts bezahlen, wollen wir ja nicht wählerisch erscheinen.

Heute Nachmittag fliegen wir wieder nachhause. Bis dahin bleibt uns nicht mehr viel Zeit, drum schlendern wir ein letztesmal durch Valletta. Ich will für Frau G. noch ein Souvenir kaufen, weiss aber nicht was. Kaufe dann zwei Pastizzi; so Blätterteigküchlein mit Schafkäse und Erbsenmus drin. Mag sie beides nicht - drum esse ich sie selber.

Als wir zum Busbahnhof laufen, beginnt hinter uns ein weihnachtlich gestimmter Chor zu singen; AveeeeMariiiaaa. Daneben panflöten Bolivianer dagegen an. Ich halte einem winkenden Plastik-Weihnachtsmann seine Hand fest, in der Hoffnung, der Motor im Inneren überhitze und beginne zu brennen. Tut er aber leider nicht. Wäre ein schönes Foto geworden; ein Weihnachtsmann in Flammen.
Nach dem Mittag lassen wir uns vom Bus zum Flughafen chauffieren. Wieder geht’s um tausend Ecken und durch endlose Vororte. Am Flughafen ist nicht viel los und unser Air-Malta Flieger nur halbvoll.

Schöne Wolken und tiefblaues Meer. Das Essen wird wieder in diesem Puppenstuben-Geschirr gereicht. Diesmal ein Bissen Thunfisch-Olivenstampf, dazu grüne Bohnen und graue Kartoffeln. Schmeckt markant besser, als es ausschaut.
Ein Rumps – und wir sind in Zürich gelandet. Peti nimmt den Zug nach Bern, ich nach Luzern. Draussen ist es kalt und stockfinster. Da und dort liegt Schnee, man könnte meinen, es sei Winter. Mein Zug ist randvoll mit Werktätige, ich kann mir trotzdem einen Sitzplatz ergattern. Bald bin ich wieder zuhause.

16. Dezember 2013

Malta: nach Gozo ist ja nicht weit

Valletta. Es ist ja nicht weit nach Gozo, sage ich beim Frühstück, Malta ist ja nur eine kleine Insel. Und Gozo ist die Nachbarinsel; und noch kleiner als Malta, und sie soll schön sein. Also setzen wir uns in einen Bus und lassen uns hinfahren. Die Strassen sind eng und kurvig und hügelig.

Am äussersten Ende von Malta steigen wir auf eine Fähre um. Sie heisst „Malita“ und ist ein ausgesprochen hässliches Schiff. Ein viereckiger Stahlkübel ohne ein Vorne und Hinten.

Nach knapp fünf Kilometer Seefahrt landen wir auf der Insel Gozo. Wir fahren gleich mit dem Bus weiter nach Rabat. Für die dreissig Kilometer Luftlinie brauchten wir tatsächlich mehr als drei Stunden Reisezeit. Rabat heisst eigentlich „Victoria“, aber alle Gozoianer sagen „Rabat“ dazu. Das Städtchen ist richtig schön und urgemütlich. Enge Gassen und lauschige Plätze. Die Sandsteinfassaden leuchten gülden in der Wintersonne. Und über allem ein himmelblauer Himmel.
Wir setzen uns in ein Strassencafé am Marktplatz und schauen dem Alltag zu. Ein paar Autos drücken sich aneinander vorbei, ein Händler will mir eine Mütze verkaufen und eine schwanzreduzierte Katze stolziert über den Platz. Gefällt mir hier.

Etwas oberhalb der Stadt steht die alte Zitadelle. Eine Festung mit einigen Häusern und einer mächtigen Kirche innerhalb der Mauern. Ein Papst aus Bronzeguss winkt mir zu und es riecht nach gebratenem Fisch. Schön hier. Wir schlendern durch die engen Gassen hinauf zum höchsten Punkt. Hier sitzen wir lange auf der Festungsmauer und schauen über die Welt unter uns.

Grüne Felder und braune Hügeln. In der Ferne kuscheln sich ein paar Häuser um eine Kirche. Und dahinter, soweit das Auge reicht, Mittelmeer. Wie im Paradies.
Auf demselben Weg wie bei der Hinfahrt fahren wir wieder zurück. Als wir die Fähre besteigen, ist es bereits dunkel. Der Mond sieht wie eine angebissene Wurstscheibe aus.

In Valletta weihnachtet es mittlerweilen heftig. Lichtgirlanden in Form von Engeln und Sternen hängen kreuz und quer über die Gassen. Liebliche Musik plätschert aus zahlreichen Lautsprechern und da und dort hängen Weihnachtsmänner-Kadaver von den Balkonen.

14. Dezember 2013

Malta: kein Bahnhof anschauen

Valletta. Auch in Malta fuhr früher einmal eine Eisenbahn. Zwischen 1883 bis 1931 eine Dampfbahn von Valletta nach Mdina. Elf Kilometer Schmalspur und dreissig Minuten Fahrzeit.

Viel davon ist heute nicht mehr zu sehen. Zum Beispiel diese Brücke unterhalb der Parlaments-Baustelle. Im Tunnel dahinter war damals der Hauptstadt-Bahnhof Valletta.

13. Dezember 2013

Malta: auf meinem Kopf hockt eine Qualle

Wegen des rauen Meeres fährt heute keine Fähre nach Sliema hinüber. Also nehmen wir halt stattdessen den Linienbus. Einen fast nagelneuen KingLong-Bus aus China. Also, hinüber nach Sliema - und gleich weiter der Küste entlang bis nach Irgendwo. Wie es hier heisst, weiss ich nicht, aber eine Strandbar hat auf. Also steigen wir aus und nehmen Platz. Ich bestelle mir ein „Ftira“ - ein Brötchen mit einer Thunfisch-Gemüsefüllung. Schmeckt auch genau so, und gut.

Nach einer ausgiebiger Siesta fahren wir nach Sliema zurück. Himmelhohe Hotels. Alle leer, keine Touristen da. Wir schlendern die Strandpromenade entlang. Peti tut Schiffe gucken, ich Ladengeschäfte. Denn ich brauche unbedingt eine neue Mütze. Die alte ist mir drum heute abhanden gekommen. Ich kaufe mir eine neue, die aussieht, als ob mir eine karierte Qualle auf dem Kopf hockt. Vielleicht sehe ich jetzt aus wie ein richtiger Maltaianer, odr so…

Die Nachmittagssonne leuchtet herzallerliebst durch die Restbewölkung und die Möwen sind bei genauerem Hinschauen bloss Tauben. Am Strassenrand steht einer dieser alten Linienbusse. Ein Prachtstück mit bauchigen Kotflügeln und üppigem Kühlergrill. Bis vor wenigen Jahren waren solche Busse noch jeden Tag im Einsatz. Jetzt nur noch für Touristenfahrten. So Schade.

Die Boote werden hier an alten Kanonen angeleint. Oder umgekehrt? So oder so, eine sinnvolle Zweitnutzung.

Als wir nach Valletta zurück kommen, ist es bereits stockfinster. Der Hunger treibt uns in eine Gaststätte. In das Parteilokal der „Partit Laburista“, der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Wie überall in Malta locken die Parteien nicht nur mit kämpferischen Parolen, sondern auch mit preiswertem Essen. Von den Wänden blicken ehemaligen Parteigrössen. Gerahmte Zeitungsausschnitte zeugen von eindrucksvollen Massenveranstaltungen. Ein paar alte Männer kauen an ihrem Bier, zwei Jungs spielen Billard. Der Wirt steht am Fenster und raucht. Schön hier. Ich bestelle mir ein Getränk mit einem sehr exotischen Namen. Wie sich herausstellt, ist es dann aber bloss ganz gewöhnliches Wasser.
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12. Dezember 2013

Malta: Schweinewurst und Touristenvieh

Auch heute Morgen früh sind wieder erstaunlich viele Leute unterwegs. Am Nachmittag ist dann wieder Leere, aber jetzt geschäftiges Treiben. Ich möchte die berühmte Sankt Irgendwas Kirche anschauen, laufe aber falsch. Also schauen wir halt die alte Markthalle an, die liegt grad vor uns. Eine schöne Schmiedeeisen-Konstruktion, aber die meisten Verkaufsläden sind leer. Bloss einige Metzgereien sind noch auf. Ich sehe die "Zalzett tal-Malti", die typische maltesische Schweinebratwurst. Leider roh, ich möchte sie gebraten. Das Schwein daneben schaut resigniert.

Wir schlendern mitten durch Valletta bis an die Spitze der Landzunge. Hier ist die Festung St. Elmo, umgeben von dicken Mauern und viel Meer. Zahllose Schiessscharten und Artilleriegranaten, so gross wie Ölfässer. Wegen einer Baustelle ist die Festung zurzeit nicht zugänglich, man müsste über den Gitterzaun klettern. Es ginge, aber ich will nicht.

Unser Weg führt nun immer weiter dem Ufer entlang. Es bläst ein kräftiger Wind, die Wellen schäumen und die Gischt spritzt hoch. Gegenüber sehen wir die Strandpromenade von Sliema. So aus der Ferne sehen die Häuser wenig einladend aus. Grobschlächtige Hotelburgen für das sommerliche Touristenvieh. Das wollen wir uns später noch aus der Nähe ansehen.
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11. Dezember 2013

Malta: gegenüber regnet's auch

Wir flüchten uns vor dem Regen in eine Hafenkneipe. Ein schlichtes Lokal mit Plastikstühlen und einem Miefpropeller an der Decke. Zwischen der Klotür und dem Fernseher hängt ein Kruzifix. An den Tischen sitzen einige Männer mit Stiernacken und Arbeitshosen. Es riecht nach Küche, wir bestellen „Bragioli“. Das sind Fleischrouladen mit einer Hackfleisch-Tintenfischfüllung und Zwiebelsosse, dazu gibt es eigenwillige Bratkartoffeln und bräunlichen Couscous. Dazu trinke ich ein „Kinnie“, eine hier in Malta überaus beliebte Bitterorangen-Limonade. Draussen regnet es immer noch. Die Fettaugen in den Pfützen schimmern vielfarbig.

Als dann zwischendurch doch mal der Regen kurz nachlässt, fahren wir mit der kleinen Fähre hinüber nach Bormla. Schöne alte Häuser und steile Gassen. Und eine mächtige Festung; richtig romantisch. Im Hafen liegen bunte Fischerboot. Aber hier ist fast alles zu; wohl Winterpause oder Siesta. Dafür beginnt es jetzt wieder zu regnen. Also trinken wir in die einzige Kneipe ein Café und warten auf Wetterbesserung.

Und dann ist auch schon wieder Zeit für die Rückfahrt. Die Fähre kommt allerdings eine halbe Stunde verspätet. Wir stehen im Regen und warten gemeinsam mit anderen. Niemand mault herum, jeder ist froh, dass sie bei dem Wetter überhaupt fährt. In der Bucht hat es nun beachtliche Wellen. Ginge die Fahrt länger, täte ich wohl kotzen.

Valletta liegt hoch über dem Hafen. Deshalb fahre ich mit dem neuen Lift nach oben. Peti hingegen gibt sich sportlich und nimmt die Treppe, etwa eine Million Stufen - abgerundet. Während unserer Abwesenheit wurden viele Gassen weihnachtlich geschmückt. Lichtgirlanden in allen Farben hängen über die Gassen. Es leuchtet und blinkt überall. Ein elektrischer Weihnachtsmann winkt mir nuttig hinterher. Die Juden werben mit Chanukka - wohl vergebens.
Wir essen einen Tintenfisch-Salat ohne Salat.
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10. Dezember 2013

Malta: Loch im Himmel

Hätte unser Hotelzimmer ein Fenster, hätte ich bestimmt die liebliche Morgensonne bemerkt. So sehen wir sie erst, als wir uns auf die Suche nach einem Frühstück machen. Peti möchte ein richtiges englisches Breakfast. So eines mit vielen Spiegeleiern, fettigem Speck, weissen Bohnen in oranger Tunke und einem klebrigen Tischtuch. Wir werden bald fündig und geben uns dem Genuss hin. Also er, ich nehme was anderes.

Die Gassen in Valletta sind sehr schmal, dafür aber steil; mancherorts sogar Treppen. Alle Häuser sind alt und aus dem hier typischen gelben Sandstein gebaut. Viele mit allerhand gekräuselten Ornamenten und bunten Erkern aufgehübscht. Gefällt mir.

Valletta ist von unglaublich hohen und dicken Mauern umgeben. Diese wurden in den vergangenen Jahrhunderten von den Rittern des Malteserordens erbaut, resp. von deren Sklaven. Früher schützte das Wehrgemäuer vor bösen Angreifern, heute kann man von hier oben den herrlichen Ausblick über den Hafen und die Festungen gegenüber geniessen.

Etwas unterhalb der „Upper Barrakka Gardens“ fingern einige Soldaten in strammen Uniformen an einer alten Kanone herum. Erst hampeln sie zackig umher, dann ein Schrei und ein dumpfer Knall; und dann dichter Qualm. Der tägliche Zwölf-Uhr-Schuss. Und dann beginnt es zu regnen - haben wohl eine Regenwolke getroffen!
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9. Dezember 2013

Malta: zum Beispiel Hühnchen

Die Reise nach Malta beginnt wie schon so oft mit einer Bahnfahrt zum Flughafen. Diesmal zusammen mit Peti, der das alles organisiert hat. Mein Expeditionsgepäck umfasst eine alte Computertasche, wo ich einige Kleider hineingestopft habe. Und Nasenspray und zwei Bücher.

Fast pünktlich donnert unser Air-Malta Flug in den Abendhimmel über Zürich. Höchstens halbvoll und drum sehr bequem. Im Internet stand, auf unserem Flug werde ein Abendessen serviert; zum Beispiel "Nudeln mit Hühnchen". Und tatsächlich. Als ich den Deckel vom Plastik-Schälchen hebe, lacht mich mein Abendessen an. Da liegen lose beieinander, ich mag mich jetzt täuschen, zweiundzwanzig Spiralnudeln, acht grüne Bohnen und zwei hauchdünne Scheiben zumBeispielHühnchen. Schmeckt recht gut. Zum Dessert gibt es den beiliegenden Kuchen, fünfundzwanzig Gramm leicht und in Schutzatmosphäre verpackt.

Kurz nach acht landen wir in Malta. Es ist stockfinster und regnet milde. Der Flughafen ist wie ausgestorben, keiner da. Wir laufen schnurstracks durch und warten vor dem Flughafengebäude auf den Bus ins Stadtzentrum. Nach einer halben Stunde kommt er, wir sind die einzigen Fahrgäste.

Unser Hotel liegt mitten in der Altstadt. Es hat drei Sterne und unser Zimmer kein einziges Fenster. Gut, im Bad gibt es eines, aber bloss in einen finsteren Lichtschacht hinaus. Was soll‘s, ist ja sowieso dunkel draussen.
Zwecks Nahrungsergänzung gehen wir noch gschwind in eine Gaststätte gegenüber. Wir sind die einzigen Gäste, essen eine Kleinigkeit, dann gehe ich nachhause, während Peti noch irgendwo einen Schlummertrunk nehmen will. Ohne Schlüssel komme ich dann aber nicht ins Zimmer und muss im Korridor auf Peti warten. Der derweilen, was ich aber nicht weiss, zwei Stockwerke tiefer in der Hotelbar sitzt und sein Bier langweilt.

Gefällt mir, dieses Malta. Bin gespannt, wie es bei Tageslicht aussieht.
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7. Dezember 2013

Demokratie erfordert manchmal Opfer

Heute wollen wir uns gemeinsamen an einen schicksalshaften Tag erinnern; den 13. Dezember 2009. In Mailand wirft einer dem italienischen Ministerpräsidenten ein Souvenir an den Kopf. Einen extra dafür gekauften Mailänder-Dom aus Hartplastik. Dazu muss man wissen, der Mailänder-Dom ist üppig mit den für die Gotik typischen Fial-Türmchen ausgestattet. Richtig stachelig obenrum und als Wurfgeschoss daher ausgezeichnet geeignet.

Wie dem auch sei; Massimo Tartaglia gegen Silvio Berlusconi 1:0. Berlusconi flennte wochenlang, sprach von Terror und präsentierte stolz seine Wunde. Die Medien wiederum bezeichneten den Attentäter als „mutmasslich geistig Verwirrten“, bloss weil er dem Präsidenten-Clown eins auf die Fresse gegeben hat.
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6. Dezember 2013

Möbel im Gontäner

Wollte noch drauf hinweisen: „BROKI-LAGER-AUFLÖSUNG ALLES HALBER PREIS MÖBEL IMGONTÄNER“

Diese Alltagspoesie genoss ich kürzlich in Reinach - romantisch, odr…
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5. Dezember 2013

feurige Schwänze

Es sieht wie eine Notlandung aus. Eine „Venom“ mitten auf einer Wiese in der Nähe von Triengen (n47.2266, e8.0646). Das Flugzeug mit seinem markanten Doppelschanz gehört dem Flieger Eugen Wüest. Ursprünglich wollte er seine Venom wieder flugtauglich machen, aber das Flugzeug ist todkrank und ihm fehlt das Geld. So steht sie nun seit vielen Jahren auf der Wiese und gammelt vor sich hin.

Die „De Havilland DH-112 Venom“ trug ursprünglich die Kennung J-1624 und wurde bis in die 80-er Jahre von der Schweizer Luftwaffe geflogen. Auffallend ist das doppelte Leitwerk. Das kommt daher, weil damals die Konstrukteure dachten, die Kombination aus 1‘000 Grad heissem Düsenstrahl und Sperrholz-Rumpf sei wenig optimal. Deshalb baute man zwei Leitwerke, und diese so weit auseinander, dass das Heck nicht schon beim Start zu brennen begann. Das Kampfflugzeug sollte nämlich beim Feind für Angst und Schrecken sorgen - nicht für Gelächter.